| Ich will dir 'ne Geschichte erzählen |
| Aus dem Innenleben eines einsamen Texters |
| Mit 'nem leeren Magen |
| Es war wohl gegen halb Acht als sich mein Magen meldet |
| Und wirklich nichts im Haus als das ich mir die Frage stellte |
| Ich war am Text schreiben, wollt nicht lange weg bleiben |
| 'Nen schneller Teller Nudeln in der nächsten Eckkneipe |
| Steck 'nen Zwanni ein, die Schlüssel, werf 'nen Pulli über |
| Und nix wie raus hier aus der Haustür und mal eben rüber |
| Zu meinem Lieblingsitaliener im Kiez |
| Ciao bella, como stai?, tutto a posto d’esi? |
| Ich setz mich an 'nen Ecktisch der für Zwei gedeckt ist |
| Der Laden ist am Brummen und das Treiben hektisch |
| Heb die Hand zum Bestellen, die Kleine entdeckt mich |
| Die Schönheit der Welt vereint auf Einmetersechzig |
| Jetzt tritt sie an meinen Tisch als lief sie roten Teppich |
| Ich frag sie ob sie neu sei und sie lächelt neckisch |
| Mund, Augen rund und dann betont in 'ner Blue Jeans wie |
| Ornella Muti trifft die junge Bellucci |
| Mi Scusi, ich wollt nur wissen was ihr habt |
| Sie sagt: «Wart mal ab, ich hab hier was das gibt’s nicht à la carte» |
| Dreht sich um, Popo wackelt und sie dackelt ab |
| Wirft ihr dickes Haar über die Schulter, Mann, sie macht mich schwach |
| Kommt zurück, 'n Teller voller Venusmuscheln |
| Steht am Tresen und ich seh sie mit Kollegin tuscheln |
| Nach den Muscheln und 'nem vierten Frascati |
| Merk ich mein kurzer Ausritt wird grad 'ne Party |
| 'Nen halben Liter später glaub ich bin ihr sympathisch |
| Sie schenkt mir nach und fragt mich: «Willst du noch Nachtisch?» |
| Und ich, ich glaub ich muss mal besser nach Haus |
| Blicke fressen mich auf, sie bringt mir Espresso auf’s Haus |
| Es wird halb Eins, die letzten Gäste sind raus |
| Halb Zwei, wir schäkern rum, beide bestens gelaunt |
| Halb Vier, ihr wisst ja Kreuzberger Nächte sind lau |
| Und die Frau auf Einssechzig einfach prächtig gebaut |
| Es wurde Sechs und wir erklimmten den Achttausender |
| Doppelt abgesichert |
| Um halb Zehn kam ich mit weichen Knien zu Hause an |
| Bin erstmal 13 Stunden nicht mehr aufgestanden, ausgebrannt |
| Glaub mir ich sitz da in der Ecke |
| Probier meine Pasta runterzukriegen |
| Und ich bin einfach sprachlos |
| Die Frau war irgendwo zwischen |
| Claudia Carinale und Gina Lollobrigida |
| Oder Sophia Loren mit 21 |
| Noch bisschen niedergeschlagen |
| Saß ich gleich wieder im Laden, diesen Abend |
| Denn wie bekannt ist geht ja Liebe durch den Magen |
| Und in Gedanken hielt ich sie schon wieder in Armen |
| Saß stundenlang bis ich es wagte 'ne Bedienung zu fragen |
| Und da kommt der Wirt zu mir als wollt er mir an den Kragen |
| Stellt mich zur Rede aber ließ mich nichtmal was sagen |
| Beugt sich über mich und meint: «Meine Tochter ist bei Familie |
| Heute erst geflogen für sechs Wochen nach Sardinien» |
| Er fragt mich pampig ob ich trotzdem noch was essen mag |
| Ich bestell 'ne Pasta, er bringt Arrabiata extra-scharf |
| Mir wird heiß und kalt, ich spül sie mit 'nem Grappa nach |
| Woher hätt ich wissen können, dass der Wirt ihr Pappa war |
| Zahl und dackel ab wie 'son begossener Pudel |
| Was für ein Kuddelmuddel, dabei wollt ich doch bloß Nudeln |
| Und dieser Strudel an Gefühlen reißt mich mit sich |
| 40 Tage, 40 lange Nächte Verzicht |
| Komm morgens nicht aus dem Bett, mein Leben ist nicht mehr komplett |
| Renn nur noch schimpfend durch die Wohnung so als hätt ich Tourette |
| Starr tagelang die Wände an, streich sie im Kalender an |
| Mann, irgendwann muss das Warten doch ein Ende haben |
| Dann kam er wirklich: Tag 42 |
| Ich in meinen feinsten Zwirn, nur keine Zeit verlieren |
| Der Puls gefühlte 190 kam ich reingestürmt |
| Vor meinem inneren Auge wie sich unsere Lippen gleich berühren |
| Da tritt auch schon die Göttin durch die Seitentür — Leerzeichen — |
| Weil jedes Adjektiv hier untertreiben würd |
| Sie winkt und zwinkert, verschwindet in der Küche |
| Kommt zurück, links 'n Weinglas, in der Rechten Meeresfrüchte |
| Ich spring auf, auf den Lippen nur 'n schüchternes «Hi» |
| Die Göttin tippelt vorbei, ich seh den Typ an Tisch Drei |
| Fall zurück in meinen Sitz und merk wie mir ganz anders wird |
| Denn hier hat seinen Ursprung: Abserviert! |
| Glaub mir ich sitz da |
| Wie bestellt und nicht abgeholt |
| Leg' das Geld auf dem Tisch und renn aus dem Laden |
| Und bin völlig durch den Wind |
| Ich konnt’s gar nicht glauben |
| Die Frau ist mehr Drama als |
| Anna Magnani in Mamma Roma |
| Glaub mir |
| Da fiel mir ein kleines Wortspiel ein |
| Das geht so: |
| Mir ging’s so mies wie was auf Italienisch Muschel heißt |