| Ein kleiner Junge rief einst in den Himmel: «Lieber Gott, es ist nicht fair |
| Wieso hab’n die andern es immer so leicht und wieso haben wir es so schwer? |
| Papa ging raus in den Krieg und obwohl er’s versprach, kehrte er nie wieder heim |
| Ich hör' Mama, sie weint, und auch wenn ich sie fest in den Arm halte, |
| sind wir allein |
| Man sagte mir, anderswo auf dieser Erde könn'n Kinder den ganzen Tag spielen |
| Der Boden ist voll von Gras, voll von Blumen, und nicht so voller Minen |
| Ich will auch eine Schule besuchen, auch ich möchte lernen zu lesen, |
| lernen zu schreiben |
| Stimmt es, dass bei den andern manche freiwillig fehlen? |
| Vorgeben, dass sie krank sind, obwohl sie’s nicht sind, sag mir bitte den Grund |
| Denn damit Mama sich keine Sorgen macht, tue ich trotz meiner Schmerzen als |
| wär' ich gesund |
| Und ich faste, Gott, und ich faste, ich faste schon viel zu viel |
| Nimmst du es an, auch wenn ich’s tu', weil ich’s muss, und nicht immer weil |
| ich’s will? |
| Bomben fallen hier und die Welt schaut zu, Menschen töten täglich in dei’m Namen |
| Dabei sagte Papa stets wenn er von dir sprach, dass dein Wesen die Welt umarmt! |
| Ich fall' auf die Knie und das Blut in mir pocht, sag mir, verlang ich wirklich |
| zu viel, Gott |
| Wenn ich dich um nichts bitte als um Frieden? Erhör mein Gebet, in Liebe, Hiob!» |
| Der Himmel ging auf über den kleinen Jungen, doch eine Antwort blieb aus |
| Aber an diesem Abend erschien ihm die Botschaft von oben wie in einem Traum |
| Es geht nicht darum, was fair ist, viel mehr geht es darum, dass wir aus all |
| dem hier lernen |
| Und wenn der Herr ein' besonderen Platz für dich hat, testet er dich umso mehr |
| Und du hast recht, denn das Wohl lernen sie in einer Schule, aber nur, |
| was in den Büchern steht |
| Du lernst aus dem Leben — ganz ohne Filter, die einzige Realität |
| Liest aus Gesichtern und erkennst den echten Wert in allem, was du siehst |
| Deine Zeit auf der Erde ist nichts im Vergleich zu der Zeit im Paradies |
| Und wenn du um Stärke bittest, macht Gott dich nicht stark und schenkt dir dann |
| einfach so Kraft |
| Sondern bringt dich in Situation', in den' stark sein die einzige Wahl ist, |
| die du hast |
| Und dein Hunger, oh, dein Hunger, wird belohnt, so wie all dein Leid |
| Deine Familie wird wiedervereint und endlos glücklich im Jenseits sein |
| Eines Tages wird er komm' und die Welt schaut zu und sie werden um Gnade bitten |
| in sei’m Namen |
| Die Aufrichtigen fliegen rauf in den Himmel und all die Tyrannen werden endlos |
| fallen |
| Solange die Hoffnung stets in dir pocht, es ist keine Schande, wenn du auf |
| dein' Knien hockst |
| Niemand ist annähernd so barmherzig wie Gott, verlier nur niemals dein' Glauben |
| — Hiob! |